Die Europäische Kommission hat Leitlinien zur Zollzusammenarbeit veröffentlicht, um verdächtige Aktivitäten zu erkennen, zu melden und darauf zu reagieren. Ziel der Leitlinien ist es, die Fähigkeit der Zollbehörden und aller im Transport, in der Logistik und in Lieferketten tätigen Unternehmen zu stärken, irreguläre Aktivitäten zu identifizieren, zu überwachen und zu verhindern. Im weiteren Sinne verfolgt die Europäische Kommission mit der Veröffentlichung dieses Dokuments das Ziel, sicherere und geschütztere Lieferketten in allen Verkehrsträgern zu schaffen, indem die Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor verbessert wird.
Der Geltungsbereich der Leitlinien
Die Leitlinien geben einen Überblick über die wichtigsten Bedrohungen für die Sicherheit und Stabilität der EU, darunter den weitreichenden Einfluss der organisierten Kriminalität durch illegalen Warenhandel. Wie festgestellt wird, setzen organisierte kriminelle Gruppen zunehmend ausgefeilte und fortschrittliche Methoden ein, um der Entdeckung zu entgehen, weshalb die Zollbehörden ihre Kapazitäten und ihre Zusammenarbeit stärken müssen.
Das Dokument enthält auch EU VAT-Daten der Europäischen Staatsanwaltschaft, die berichtete, dass schwerwiegender grenzüberschreitender VAT-Betrug allein im Jahr 2023 etwa EUR 11,5 Milliarden Schaden am EU-Haushalt verursacht hat. Darüber hinaus wird in dem Dokument festgestellt, dass mehr als 80 % der in der EU tätigen kriminellen Netzwerke legitime Unternehmen nutzen, um kriminelle Erlöse zu verschleiern oder zu waschen.
Als Reaktion darauf unterstreichen die Leitlinien die Bedeutung der künftigen EU-Zollreform, der Europäischen Hafenallianz, der EU-Hafenstrategie und der Initiativen im Rahmen der Preparedness-Union-Strategie als Weg für die EU und die EU-Länder, die Sicherheit von Lieferketten, Transportmitteln und kritischer Infrastruktur wie Häfen, Flughäfen und Logistikzentren zu verbessern.
Die Leitlinien enthalten zudem Beispiele für verdächtige Aktivitäten und bieten Wirtschaftsbeteiligten nützliche Informationen und Ratschläge, wie sie handeln und diese melden können. Wenn Transport- und Logistikunternehmen daher Hinweise auf irreguläre Transaktionen, verdächtige Aktivitäten oder nicht autorisierten Warenumgang innerhalb von Lieferketten erkennen, sollten sie dies den Steuer- und Zollbehörden melden.
Eine vollständige Meldung sollte mit einer klaren Beschreibung der vermuteten Unregelmäßigkeit beginnen und erklären, welche Art von Transaktion oder Aktivität verdächtig erscheint. Sie sollte auch genaue Angaben dazu enthalten, wann und wo das Problem festgestellt wurde, einschließlich Ort, Datum und Uhrzeit, da dies den Behörden hilft, den Kontext herzustellen und das Ereignis nachzuverfolgen.
Fazit
Die Leitlinien der Europäischen Kommission unterstreichen die Bedeutung der Zusammenarbeit nicht nur zwischen Steuer- und Zollbehörden auf EU-Ebene und zwischen den EU-Ländern, sondern auch zwischen der EU, ihren Ländern und wichtigen Akteuren des Privatsektors, die in der Lieferkette tätig sind, vor allem Transport- und Logistikunternehmen. Jede dieser Parteien spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen Zoll- und Steuerbetrug und -hinterziehung.

