Der Internationale Währungsfonds hat ein Arbeitspapier mit dem Titel "Taxing Cross-Border Services" veröffentlicht, das untersucht, wie die bestehenden internationalen Steuervorschriften mit dem rasanten Wachstum grenzüberschreitender digitaler Dienstleistungen und moderner Geschäftsmodelle nur schwer Schritt halten konnten. Das Papier konzentriert sich auf zwei zentrale Fragen: welches konkrete Ziel jedes Steuerinstrument erreichen soll und wie wirksam diese Instrumente bei der Bewältigung der Herausforderungen sind, die grenzüberschreitende digitale Dienstleistungen mit sich bringen.
Wichtige Erkenntnisse aus dem Arbeitspapier
Die Autoren des Papiers stellten fest, dass die Wertschöpfung in der digitalen Wirtschaft zunehmend von Faktoren wie Nutzerbeteiligung, Kundendaten und Marktengagement abhängt und nicht allein von den physischen Tätigkeiten des Dienstleisters. Sie räumten außerdem ein, dass es keine umfassende globale Einigung darüber gibt, wie Gewinne besteuert und die Steuerbemessungsgrundlage geschützt werden sollen. Infolgedessen führen Länder weltweit eine breite Palette einseitiger Steuerinstrumente ein oder ziehen sie in Erwägung.
Nach Ansicht der Autoren ist die bestimmungslandbasierte VAT der kohärenteste und wirtschaftlich effizienteste Weg, grenzüberschreitende digitale Dienstleistungen zu besteuern. Der Grund ist einfach: Die VAT besteuert den Verbrauch dort, wo er stattfindet, was die Besteuerung an den Markt angleicht, in dem die Dienstleistungen tatsächlich genutzt werden. Darüber hinaus verfügen moderne VAT-Systeme bereits über Mechanismen für eine effizientere Besteuerung importierter digitaler Dienstleistungen, darunter Regeln zum Leistungsort, vereinfachte Registrierungssysteme für ausländische Anbieter, Reverse-Charge-Regeln für Geschäftskunden und plattformbasierte Erhebungspflichten.
Wenn es um die Besteuerung von Einkünften geht, die aus einer aus der Ferne erfolgenden Teilnahme an einem Markt erzielt werden, haben Länder mehrere einseitige Maßnahmen umgesetzt. Eine der viel diskutierten und umstrittenen Maßnahmen ist die Digital Services Tax (DST). Die DST zielt darauf ab, dem Marktstaat Besteuerungsrechte zuzuweisen, indem sie Einnahmen besteuert, die mit lokalen Nutzern oder Kunden verbunden sind. Da die DST jedoch auf den Bruttoumsatz und nicht auf den Nettogewinn Anwendung findet, kann sie unternehmerische Entscheidungen verzerren und Unternehmen unabhängig von ihrer Rentabilität besteuern. Wichtig ist, dass die DST in der Regel außerhalb des Anwendungsbereichs von Steuerabkommen liegt und damit das Risiko einer Doppelbesteuerung erhöht.
Die Autoren untersuchten auch Quellensteuern und breit angelegte quellenbasierte Besteuerungsregeln und stellten fest, dass diese Maßnahmen auf ein breiteres Spektrum grenzüberschreitender Dienstleistungen als die DST angewendet werden können und besonders wirksam sind, wenn Zahlungen von einem ansässigen Kunden oder über einen identifizierbaren, im Besteuerungsstaat ansässigen Vermittler geleistet werden. Dennoch sind diese Maßnahmen weniger geeignet, wenn die Verbindung zum Markt in erster Linie auf dem Standort der Nutzer und nicht der Zahler beruht.
Darüber hinaus erörtert das Papier die Ausweitung von Nexus-Regeln durch Konzepte wie digitale Betriebsstätten oder Schwellenwerte für eine erhebliche wirtschaftliche Präsenz (SEP) sowie Maßnahmen zur Verhinderung von Gewinnverlagerungen durch abzugsfähige grenzüberschreitende Zahlungen.
Fazit
Letztlich kamen die Autoren zu dem Schluss, dass eine Ausweitung der bestimmungslandbasierten Besteuerung eine wirksamere und weniger verzerrende Antwort auf die Herausforderungen bieten würde, die der digitalisierte Dienstleistungshandel mit sich bringt. Zugleich warnen sie, dass Länder ohne eine koordinierte globale Einigung wahrscheinlich weiterhin ihre eigenen Steuermaßnahmen umsetzen werden, was zu einem fragmentierten internationalen Steuerumfeld mit sich überschneidenden Regeln, uneinheitlichen Ansätzen und erhöhten Compliance-Kosten führt.

