Tadschikistan verfügt über einen relativ kleinen Markt für E-Commerce und digitale Dienstleistungen, der voraussichtlich nur moderat wachsen und bis 2029 etwa 28,4 Mio. USD erreichen wird. Einer der Hauptkritikpunkte an diesem zentralasiatischen Land ist, dass es an Rechtsvorschriften zur Unterstützung elektronischer Dokumente fehlt und es noch keine umfassenden Regeln für Bereiche wie digitale Identifizierung, papierlosen Handel, Datenschutz, Cybersicherheit und Verbraucherschutz gibt.

Im Dezember 2020 erließ der Präsident Tadschikistans jedoch Änderungen des Mehrwertsteuergesetzes, mit denen Mehrwertsteuervorschriften für gebietsfremde Anbieter digitaler Dienstleistungen eingeführt wurden. Diese Vorschriften ermöglichen es der Steuerbehörde, Mehrwertsteuer auch dann zu erheben, wenn der Anbieter keine physische Präsenz im Land hat, wodurch mehrere wichtige Mehrwertsteuerpflichten für ausländische digitale Unternehmen entstehen.

Überblick über das Mehrwertsteuersystem Tadschikistans

Tadschikistan verwaltet die Mehrwertsteuer nach seinem Steuergesetzbuch, das vom Steuerkomitee geführt wird. Der Mehrwertsteuerrahmen enthält eine eigene Regelung für digitale Dienstleistungen, die von ausländischen Unternehmen erbracht werden. Die Mehrwertsteueränderungen, mit denen diese Vorschriften und Anforderungen eingeführt wurden, traten im Januar 2021 in Kraft. Seitdem haben sich 21 Unternehmen, darunter Meta, Google, Netflix, Adobe, Microsoft, Amazon, Apple und Spotify, in Tadschikistan für Mehrwertsteuerzwecke registriert.

Im Rahmen dieser Regelung wird ein ausländisches Unternehmen, das digitale Dienstleistungen direkt oder in bestimmten Fällen über einen Vermittler an in Tadschikistan ansässige Privatpersonen erbringt, als Steuerpflichtiger behandelt. Werden digitale Dienstleistungen an tadschikische juristische Personen, Einzelunternehmer oder Betriebsstätten ausländischer juristischer Personen erbracht, kann stattdessen der Kunde als Steueragent behandelt werden.

Im Allgemeinen werden digitale Dienstleistungen als Dienstleistungen definiert, die automatisch über Informations- und Kommunikationsnetze, einschließlich des Internets, unter Einsatz von Informationstechnologie erbracht werden. Die Definition ist weit gefasst und umfasst viele Arten von digitalen Produkten und Dienstleistungen, die online erbracht werden.

Die Liste der als digitale Dienstleistungen eingestuften Leistungen umfasst den Zugang zu Software und Datenbanken, einschließlich Computerspielen, Updates und zusätzlichen Funktionen, sowie Online-Werbung, Werbeflächen und Plattformen, die es Unternehmen ermöglichen, Waren, Dienstleistungen oder Eigentumsrechte zum Verkauf anzubieten.

Außerdem umfasst die Definition ein breites Spektrum digitaler Infrastruktur und Online-Dienste, darunter Website-Hosting und -Verwaltung, Domainnamen, Datenspeicherung und -verarbeitung, Rechenkapazität, Zugang zu Informationsnetzen sowie Support für Websites und andere elektronische Ressourcen. Darüber hinaus gelten digitale Inhalte wie E-Books, Publikationen, Bildungs- und Informationsmaterialien, Grafiken, Musik und audiovisuelle Inhalte, die über den ferngesteuerten Online-Zugang bereitgestellt werden, als digitale Dienstleistungen.

Bemerkenswert ist, dass die Gesetzgebung auch mehrere wichtige Ausnahmen festlegt. Beispielsweise gilt ein Verkauf in der Regel nicht allein deshalb als digitale Dienstleistung, weil die Bestellung online aufgegeben wurde, sofern die Waren oder Dienstleistungen letztlich außerhalb des Internets geliefert oder erbracht werden. Auch Software und Datenbanken, die auf physischen Datenträgern geliefert werden, sind ausgenommen. Darüber hinaus fallen per E-Mail erbrachte Beratungsleistungen und gewöhnliche Internetzugangsdienste nicht unter die Definition.

Mehrwertsteuervorschriften und -anforderungen für gebietsfremde Anbieter

Ausländische Anbieter digitaler Dienstleistungen, die qualifizierende digitale Dienstleistungen direkt an Privatpersonen in Tadschikistan erbringen, müssen sich im Rahmen der Sonderregelung elektronisch für die Mehrwertsteuer registrieren. Wichtig ist, dass es für gebietsfremde Anbieter digitaler Dienstleistungen keine Mehrwertsteuer-Registrierungsschwelle gibt. Folglich müssen sich ausländische Anbieter ab der ersten Leistung an lokale Verbraucher in Tadschikistan für die Mehrwertsteuer registrieren. Der Registrierungsantrag muss innerhalb von 30 Tagen nach dem ersten steuerpflichtigen Verkauf eingereicht werden.

Der Registrierungsprozess erfordert Angaben zum ausländischen Unternehmen, darunter den rechtlichen Namen, das Registrierungsland, die ausländische Steuerpflichtigen-Identifikationsnummer oder Entsprechung, Registrierungsdetails, die eingetragene Anschrift, die Website, die E-Mail-Adresse und Kontaktinformationen. Antragsteller müssen möglicherweise auch Unterlagen vorlegen, die ihren Rechtsstatus in ihrer Heimatgerichtsbarkeit bestätigen. Die Steuerbehörde vergibt eine dauerhafte und eindeutige Steuerpflichtigen-Identifikationsnummer (TIN), die zur Identifizierung von Steuerpflichtigen während ihres gesamten Steuerverhältnisses mit den Behörden verwendet wird.

Nach der Registrierung müssen gebietsfremde Unternehmen einen Mehrwertsteuersatz von 14 % anwenden. Ausländische Anbieter müssen zudem Mehrwertsteuererklärungen elektronisch über das Steuerpflichtigenbüro einreichen. Die offiziellen Anweisungen bestätigen, dass die Mehrwertsteuererklärungen Daten über den ausländischen Anbieter, steuerpflichtige Transaktionen, die zu zahlende Mehrwertsteuer und die Arten der erbrachten digitalen Dienstleistungen enthalten. Die Erklärung wird für jedes Kalenderquartal eingereicht, wobei die geltende Meldefrist nach den Sonderregeln für elektronische Dienstleistungen bestimmt wird.

Mehrwertsteuerlich registrierte Unternehmen müssen außerdem Mehrwertsteuerrechnungen ausstellen, die den Lieferanten und den Käufer oder Verbraucher identifizieren, einschließlich ihrer rechtlichen oder Firmennamen, Anschriften, Steuerpflichtigen-Identifikationsnummern und einheitlichen staatlichen Identifikationsnummern. Lieferanten müssen zudem die Nummer der Mehrwertsteuer-Registrierungsbescheinigung und das Registrierungsdatum angeben.

Die Rechnung muss zudem transaktionsspezifische Informationen enthalten, darunter Angaben zu den erbrachten Dienstleistungen, Angaben zu Vorauszahlungen, den steuerpflichtigen Transaktionsbetrag und den Mehrwertsteuerbetrag. Schließlich muss jede Rechnung ihr Ausstellungsdatum und ihre eindeutige laufende Nummer enthalten, damit die Transaktion ordnungsgemäß dokumentiert und nachverfolgt werden kann.

Wichtige Compliance-Überlegungen

Ausländische Anbieter digitaler Dienstleistungen sollten zunächst feststellen, ob ihre Produkte oder Dienstleistungen unter die tadschikische Definition digitaler Dienstleistungen fallen. Dies ist besonders wichtig für Unternehmen, die SaaS, Softwarelizenzen, Online-Werbung, Cloud-Computing, Hosting, digitale Plattformen und andere automatisierte internetbasierte Dienste anbieten.

Der nächste Schritt besteht darin, den Status und den Standort des Kunden zu bestimmen. Die Sonderregelung ist besonders relevant, wenn qualifizierende digitale Dienstleistungen direkt an Privatpersonen in Tadschikistan erbracht werden. B2B-Transaktionen können abweichenden Steueragentenregeln unterliegen, was bedeutet, dass der Anbieter nicht automatisch dieselbe Mehrwertsteuerbehandlung auf jeden tadschikischen Kunden anwenden sollte.

Unternehmen sollten außerdem geeignete Systeme einrichten, um tadschikische Kunden zu identifizieren, die maßgebliche Mehrwertsteuerbehandlung zu bestimmen, Zahlungen zu erfassen und Fremdwährungstransaktionen bei Bedarf umzurechnen. Da der Besteuerungszeitraum vierteljährlich ist und Mehrwertsteuererklärungen elektronisch eingereicht werden, sollten die Buchhaltungssysteme in der Lage sein, die für die tadschikische Mehrwertsteuererklärung erforderlichen Informationen zu erstellen.

Die Registrierung sollte über das dafür vorgesehene elektronische System des Steuerkomitees erfolgen, und ausländische Anbieter sollten Unterlagen führen, die ihre Registrierungsangaben, die Kundenklassifizierung, steuerpflichtige Leistungen und Mehrwertsteuerberechnungen belegen. Das Steuerkomitee stellt speziell ein Online-System für ausländische Anbieter digitaler Dienstleistungen bereit, die steuerpflichtige Leistungen an tadschikische Privatpersonen erbringen, zusammen mit eigenen Formularen und Leitlinien. Schließlich sollten Unternehmen Änderungen des Steuergesetzbuchs und die vom Steuerkomitee herausgegebenen Leitlinien verfolgen.