In einem aktuellen Urteil im Fall zwischen Go City Limited, ehemals bekannt als Leisure Pass Group Limited, und HMRC entschied das First Tier Tribunal (FTT) zugunsten von Go City Limited. Go City Limited ist ein Unternehmen, das in London zwei Arten von Pass-Tickets verkauft: London Pass und London Explored Pass (Pässe). Beide werden für den Besuch verschiedener Touristenattraktionen und die Nutzung bestimmter Verkehrsmittel verwendet.
Die vor dem FTT aufgeworfene Frage ist, ob diese Pässe in den Anwendungsbereich der Mehrwertsteuer (MwSt.) fallen.
Hintergrund des Falls und Gerichtsentscheidung
Go City Limited verkauft Pässe seit 1999, und HMRC behandelte sie als Nennwertgutscheine. Nennwertgutscheine galten als Gutscheine, Marken oder Token, die dem Verbraucher das Recht einräumen, Waren oder Dienstleistungen in Höhe des Gutscheinwerts zu erhalten. Einfach ausgedrückt wurden sie als Mehrzweckgutscheine (MPV) behandelt, was bedeutet, dass die Mehrwertsteuer (MwSt.) erhoben wurde, wenn die Dienstleistungen oder Waren, auf die sich der Gutschein bezieht, geliefert wurden.
HMRC änderte jedoch seine Auffassung darüber, wie es Pässe behandelt. Go City Limited legte gegen diese Änderung, die sich auf sein Geschäftsmodell auswirkte, Berufung ein und unterlag 2007 vor dem VAT Tribunal und dem High Court. Nachdem Go City Limited diese ersten Verfahren verloren hatte, nahm das Unternehmen Anpassungen an den Bedingungen vor, unter denen die Pässe verkauft wurden, und erhielt sogar später eine Erklärung, dass Pässe nach den neuen Regeln der Gutschein-Richtlinie nicht als Tickets betrachtet würden und somit nicht in den Anwendungsbereich der Mehrwertsteuer (MwSt.) fielen.
Dennoch wurden Pässe mit der Umsetzung der Gutschein-Richtlinie als Tickets betrachtet, und HMRC wies Go City Limited an, für Mehrwertsteuerzwecke (MwSt.) nahezu 9 Millionen GBP zu zahlen.
Dies führte zur Berufung von Go City Limited und zu der Schlussfolgerung des FTT, dass Pässe MPVs sind, da Dienstleistungen erst dann erbracht werden, wenn der Verbraucher sie nutzt, und nicht zum Zeitpunkt des Verkaufs. Aufgrund dieser Schlussfolgerung gelten Pässe als Gutscheine und nicht als Tickets.
Fazit
Da die Gutschein-Richtlinie 2019 geändert wurde, liefert dieses Urteil wertvolle Erläuterungen und Auffassungen dazu, wie die neuen Regeln angewendet werden und die Mehrwertsteuervorschriften (MwSt.) für Tickets und Gutscheine, insbesondere MPVs, unterscheiden.
Es zeigt, dass HMRC die Regeln nicht angemessen auslegte, was zu einer falschen Festsetzung der von Go City Limited geschuldeten Mehrwertsteuer (MwSt.) führte.
Quelle: First-Tier Tribunal Fallnummer: TC09263, Casemine, HMRC - Mehrwertsteuer (MwSt.): Behandlung von Gutscheinen ab dem 1. Januar 2019
