Angesichts des rasanten globalen Wandels treiben Regierungen die Umgestaltung ihrer nationalen Steuersysteme voran. Mit diesem Ziel vor Augen hat der chilenische Kongress das Steuerreformgesetz (das Gesetz) verabschiedet, das noch weitere Zustimmungen benötigt, um in Kraft zu treten.

Die Reform des chilenischen Steuersystems wird nicht gering ausfallen: Das Gesetz schlägt Änderungen am Mehrwertsteuergesetz, am Einkommensteuergesetz, an der Abgabenordnung und an anderen relevanten Rechtsvorschriften vor.

Steuerreform und Auswirkungen auf die Umsatzsteuer

In Bezug auf das USt.-System schlägt das Gesetz die Einführung der Umsatzsteuer auf geringwertige Waren vor. Der Schwellenwert von 41 USD wird abgeschafft und ein neuer Schwellenwert von 500 USD eingeführt. Nach den vorgeschlagenen Regeln unterliegen Waren, deren Wert unter dem Schwellenwert liegt, einer USt. von 19 % und werden im vereinfachten Verfahren gemeldet.

Die vereinfachte Regelung steht derzeit nur ausländischen Anbietern digitaler Dienstleistungen zur Verfügung, doch das Gesetz sieht eine breitere Anwendung vor. Liegt die Lieferung unter dem Schwellenwert, wird diese Regelung daher für alle Lieferungen verfügbar, die über Betreiber digitaler Plattformen und Online-Marktplätze erfolgen.

Bis dato unterlag die Lieferung von Waren von außerhalb Chiles an lokale Verbraucher nicht der Umsatzsteuer. Dies ändert sich, sobald das Gesetz in Kraft tritt, da die Waren als in Chile befindlich gelten, wenn nicht ansässige Anbieter eine Lieferung an lokale Verbraucher vornehmen.

Darüber hinaus enthält das Gesetz Bestimmungen zu zwei USt.-Missbrauchsbekämpfungsregeln in Bezug auf Vermögenswerte und Immobilien. Nach dem geltenden Umsatzsteuergesetz unterliegt die Übertragung von Vermögenswerten und Immobilien nicht der Umsatzsteuer, wenn sie Teil eines Umstrukturierungsprozesses eines Unternehmens ist. Das ändert sich jedoch mit den neuen Regeln, wenn klar ist, dass der alleinige Zweck der Unternehmensumstrukturierung darin besteht, die Umsatzsteuer zu vermeiden.

Fazit

Für das Inkrafttreten des Gesetzes sind zwei weitere Schritte bzw. Genehmigungen erforderlich. Die erste erforderliche Genehmigung kam vom chilenischen Verfassungsgericht. Sobald diese Genehmigung vorliegt, muss der Präsident Chiles das Gesetz unterzeichnen. Mit der Unterschrift des Präsidenten unter dem Gesetz bleibt nur noch die Veröffentlichung im Amtsblatt, wonach es zum Gesetz wird.

Daher könnten während des Genehmigungsverfahrens einige Änderungen vorgenommen werden. Dennoch werden die Änderungen kommen, und alle betroffenen Parteien sollten ihren Tagesbetrieb proaktiv darauf vorbereiten, die neuen Regeln und Vorschriften einzuhalten.

Quelle: PwC, EY