Die von der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) in Hamburg durchgeführte Ermittlung „Goliath" führte zu einer Anklageerhebung durch das Landgericht Düsseldorf gegen drei Verdächtige. Diese drei sollen die Anführer der internationalen kriminellen Vereinigung sein, die an einem Umsatzsteuerbetrug in Höhe von 93 Millionen EUR beteiligt war.
Zwei Verdächtige wurden im November letzten Jahres festgenommen, und ein Verdächtiger – ein dänischer Staatsbürger, der nach Afrika geflohen war – wurde im Juni dieses Jahres festgenommen und von Nairobi (Kenia) nach Deutschland ausgeliefert.
Sachverhalt des Falls
Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die drei Verdächtigen eine internationale kriminelle Vereinigung organisiert hatten. Diese Gruppe war in den sogenannten Umsatzsteuer-Karussellbetrug im Zusammenhang mit dem Handel mit Unterhaltungselektronik, vorwiegend AirPods, verwickelt.
Um die Umstände dieses Falls zu verstehen, ist es entscheidend, den Karussellbetrug zu begreifen. Der Karussellbetrug ist ein komplexes Konstrukt, auch bekannt als Missing-Trader-Intra-Community-Betrug (MTIC-Betrug), das den Umstand ausnutzt, dass bei innergemeinschaftlichen B2B-Transaktionen innerhalb der EU nicht sofort Umsatzsteuer anfällt.
Wenn umsatzsteuerlich registrierte Unternehmen Waren von einem anderen Unternehmen in einem der EU-Mitgliedstaaten kaufen, wird die Umsatzsteuer nicht sofort an den Lieferanten gezahlt. Betrüger nutzen diese Lücke, um die eingekauften Waren auf dem heimischen Markt inklusive Umsatzsteuer zu einem niedrigeren Preis als die Konkurrenz weiterzuverkaufen. Sobald sie alle Waren verkauft haben, verschwinden die Betrüger in der Regel, ohne die geschuldete Umsatzsteuer an die nationalen Steuerbehörden abzuführen.
In diesem Fall gründeten die Verdächtigen mehrere Unternehmen in EU-Mitgliedstaaten und einigen Nicht-EU-Ländern mit dem Ziel, AirPods zwischen diesen Unternehmen zu handeln, bevor sie schließlich an Endverbraucher verkauft wurden. Auf diese Weise schufen sie eine Kette von Missing Tradern, die verschwinden würden, ohne ihren steuerlichen Pflichten nachzukommen.
Zusätzlich machten einige Unternehmen in dieser Kette Umsatzsteuererstattungen bei den nationalen Steuerbehörden geltend und schädigten so die öffentlichen Einnahmen dieser Länder weiter.
Fazit
Diese in Zusammenarbeit mit Europol, den deutschen Steuerbehörden und mehreren nationalen Polizeikräften durchgeführte Ermittlung zeigt, wie ausgeklügelt und komplex internationaler Umsatzsteuerbetrug sein kann und wie Betrüger die Regeln, die den internationalen und grenzüberschreitenden Handel erleichtern, zum persönlichen Vorteil missbrauchen können.
Quelle: EPPO - Investigation Goliath

