Geschäftstätigkeit in Polen und Litauen: Ein Vergleich der Rechts- und Steuersysteme

Zusammenfassung
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Die Artikelserie „Geschäftstätigkeit in Polen und Litauen“ soll einen klaren, strukturierten Überblick darüber bieten, was für die Geschäftstätigkeit in Polen im Vergleich zu Litauen erforderlich ist. Der Schwerpunkt liegt auf den Schlüsselfaktoren, die die tatsächlichen Kosten und Bedingungen für die Führung eines Unternehmens in den jeweiligen Ländern beeinflussen. Letztendlich soll diese Serie als praktischer Leitfaden für eine eingehende Analyse und fundierte Entscheidungsfindung dienen.
Die Reihe behandelt einige der relevantesten geschäftlichen und steuerlichen Themen, darunter Rechtsformen und Unternehmensgründung, Körperschaftssteuer, Personalkosten, Rentabilität und Gewinnverteilung, Steuererleichterungen und Anreize, mehrwertsteuerbezogene Fragen sowie strategische Einblicke. Jeder Artikel enthält datengestützte Vergleiche, praktische Beispiele und Erkenntnisse, die wichtigen Interessengruppen helfen sollen, Geschäftsmöglichkeiten in diesen beiden Märkten zu erschließen.
Überblick über das Geschäftsumfeld
Obwohl Polen und Litauen geografische Nachbarn und enge EU-Partner sind, unterscheiden sich ihre Steuersysteme, Sozialabgaben und Unternehmensanreize erheblich.
Einer der auffälligsten strukturellen Unterschiede sind die Arbeitskosten für Arbeitgeber. In Polen betragen die Sozialabgaben des Arbeitgebers etwa 17,93 % des Bruttogehalts, während sie in Litauen bei unbefristeten Arbeitsverträgen nur 1,77 % und bei befristeten Verträgen 2,49 % betragen. Dieser starke Kontrast ist auf die litauische Reform von 2019 zurückzuführen, durch die die meisten Sozialabgaben auf die Arbeitnehmer verlagert wurden, indem die Bruttogehälter erhöht und die Arbeitgeberbeiträge gesenkt wurden. Während die Gesamtsteuerbelastung für Arbeitnehmer vergleichbar bleibt, ist der Kostenunterschied auf Arbeitgeberseite erheblich und hat erhebliche Auswirkungen auf die Rentabilität, insbesondere in arbeitsintensiven Branchen.
Andererseits bietet Polen einen größeren Binnenmarkt und ein komplexeres, aber großzügiges System von Steueranreizen, darunter Vergünstigungen für Forschung und Entwicklung sowie Investitionen, das Programm „Runway for Companies“, das bestimmte öffentliche Belastungen für Start-ups und Kleinunternehmer minimiert, Steuererleichterungen für die Robotisierung sowie Zugang zu einem breiten Ökosystem von EU-kofinanzierten Fördermitteln mit einem Finanzierungsvolumen von rund 76 Milliarden Euro für den Zeitraum 2021–2027.
Darüber hinaus stärkt Polens strategische Entscheidung, die Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen, nicht nur die nationale Sicherheit, sondern treibt auch die Nachfrage nach fortschrittlichen Technologien an. Wichtig ist, dass viele verteidigungsbezogene Projekte für Polens umfangreiche F&E- und Investitionserleichterungen in Frage kommen könnten, was zusätzliche Chancen für Unternehmen schafft, die innovative, Dual-Use- oder High-Tech-Lösungen entwickeln.
Litauen hingegen punktet mit einfacheren Vorschriften und hochgradig digitalisierten Prozessen, einem dreifachen Abzug für F&E-Kosten, einem zusätzlichen Abzug von bis zu 100 % für Investitionsprojekte, einem Körperschaftsteuersatz von 0 % für bis zu 20 Jahre bei groß angelegten Investitionsprojekten, einer sofortigen Abschreibung für Sachanlagen (ab 2026), einem reduzierten Körperschaftsteuersatz von 7 % für kleine Unternehmen (ab 2026), zwei Jahre statt einem Jahr mit 0 % Körperschaftssteuer für kleine Unternehmen (ab 2026) sowie strukturell niedrigere Arbeitskosten – 16,3 EUR/Stunde in Litauen gegenüber 18,2 EUR/Stunde in Polen.
Methodik: Vergleich zwischen Polen und Litauen
Um den Vergleich transparent und nachvollziehbar zu gestalten, wurden in der gesamten Serie die folgenden Annahmen zugrunde gelegt:
Wechselkurs: 1 EUR = 4,30 PLN (verwendet für die Umrechnung polnischer Beträge in Euro, einschließlich Mindestlohn und Stammkapital).
Rechtsformen: polnische sp. z o.o. (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) und litauische UAB.
Zeitrahmen: Vorschriften, die in den Jahren 2025–2026 gelten, basierend auf der aktuellen Rechtslage und bereits beschlossenen Änderungen der litauischen Gesetzgebung ab 2026.
Szenarien: drei Umsatzmodelle (10.000, 40.000, 100.000 EUR pro Monat) und drei Gehaltsstufen (Mindestlohn in Polen, 2.000 EUR brutto, 5.000 EUR brutto).
Polnische sp. z o.o. vs. litauische UAB: Kapital, Registrierung und Verfahren
Polen – Spółka z Ograniczoną Odpowiedzialnością (sp. z o.o.)
Mindestkapital und Eigentumsverhältnisse
Die polnische sp. z o.o. ist die Standardgesellschaftsform für KMU und ausländische Investoren. Das Mindeststammkapital beträgt 5.000 PLN. Bei einem angenommenen Wechselkurs von 1 EUR = 4,30 PLN entspricht dies etwa 1.163 EUR. Dieser Schwellenwert liegt somit etwas höher als das Mindeststammkapital der litauischen UAB von 1.000 EUR. Eine sp. z o.o. kann einen einzigen Gesellschafter und ein oder mehrere Vorstandsmitglieder haben.
Registrierungsverfahren und Kosten
Es gibt zwei Hauptwege zur Registrierung. Der erste ist die Online-Registrierung über das S24-System unter Verwendung einer Muster-Gesellschaftssatzung. Die Gerichts- und Veröffentlichungsgebühren belaufen sich auf insgesamt etwa 350 PLN (rund 81 EUR), und die Registrierung dauert oft 1–2 Werktage.
Der alternative Weg ist eine traditionelle notarielle Urkunde. Dieser Ansatz ist flexibler, erfordert jedoch eine Satzung und ist mit höheren Kosten verbunden. Einschließlich der Notargebühren und der Steuer auf zivilrechtliche Transaktionen belaufen sich die Gesamtkosten in der Regel auf 1.200–1.500 PLN (ca. 280–350 EUR). Die Registrierung dauert in der Regel 7–14 Tage.
Litauen – Uždaroji Akcinė Bendrovė (UAB)
Mindestkapital und Eigentumsverhältnisse
Die litauische UAB entspricht im Großen und Ganzen der polnischen sp. z o.o. Das Mindeststammkapital beträgt 1.000 EUR, was umgerechnet aus PLN etwas unter dem polnischen Schwellenwert liegt. Dieser Betrag muss in der Regel vor der Registrierung eingezahlt werden. Die Rechtsform der UAB ist eine der von lokalen Unternehmern am häufigsten genutzten und auch bei ausländischen Investoren beliebt, die eine Tochtergesellschaft oder eine geschäftliche Präsenz in Litauen gründen möchten.
Registrierungsverfahren und Kosten
Die Registrierung einer UAB kann auch online über das E-Government-Portal erfolgen. Die Kosten für die Registrierung liegen in der Regel zwischen 150 EUR und 300 EUR, je nachdem, ob die Dokumente selbstständig vorbereitet und eingereicht werden, ob notarielle Dienstleistungen in Anspruch genommen werden und welche Gebühren für eine lokale Geschäftsadresse und ein Bankkonto anfallen. Diese Kosten sind im Großen und Ganzen mit der S24-Registrierung in Polen oder dem traditionellen notariellen Verfahren für eine sp. z o.o. vergleichbar. Der Prozess dauert in der Regel 2–3 Werktage und erfordert die Eröffnung eines lokalen Bankkontos, die Beschaffung einer lokalen Geschäftsadresse sowie den Nachweis über das eingezahlte Mindeststammkapital.
Übersicht über die Körperschaftsteuer (CIT): Wesentliche Unterschiede zwischen Polen und Litauen

Von der Unternehmensgründung bis zu den Personalkosten
Nachdem die Grundlagen in Bezug auf Methodik, Annahmen und Unternehmensstrukturen geschaffen wurden, wird der nächste Artikel dieser Reihe näher auf die Strukturen der Arbeitskosten, die Steuerbelastung der Arbeitnehmer und Gehaltsszenarien eingehen. Das Verständnis dieser Aspekte ist für eine genaue Rentabilitätsplanung in beiden Märkten von entscheidender Bedeutung.
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